Abendveranstaltung: „Sichtbar widersprechen – Queer Talk mit Kakao“

Welche Diskriminierungserfahrungen machen LGBTIQ* Menschen in ihrem Alltag in Berlin? Welche Vorfallsarten werden dokumentiert und wo finden sie statt? Und: Was kann diesen Vorfällen entgegengesetzt werden?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Online-Panel „Sichtbar widersprechen - Queer Talk mit Kakao“ am 8. Dezember 2021. Eingeladen wurde durch die Berliner Register, die Vorfälle in Berlin dokumentieren, bei denen LGBTIQ* Menschen gesellschaftlich ausgegrenzt werden. Im Austausch mit den Podcaster*innen Antonia Bär (Podcast: schamlos - der Comedy-Podcast für niveaulose Feminist*innen) und Sophie Rauscher (Podcast: trans sein) wurden queerfeindliche Vorfälle in Berlin analysiert und kommentiert.

Insbesondere bei Propagandavorfällen wie Stickern und Graffitis herrschte Einigkeit: Die Schmierereien können als ein letztes Aufbegehren der ohnmächtigen Wut der Täter*innen gedeutet werden. Sophie Rauscher betonte in diesem Zusammenhang die Verschränkungen von LGBTIQ*-Feindlichkeit mit anderen Diskriminierungsdimensionen wie beispielsweise Rassismus und extrem rechten Ideologien. So würden in Propagandavorfällen und Beleidigungen häufig verschiedene Abwertungsformen vermischt. Dabei blieben den Täter*innen allerdings nur einfallslose, von Hass geprägte Sprüche, die letztendlich kaum Einfluss auf die Sichtbarkeit und das Leben von LGBTIQ* Menschen hätten. Trotzdem, betonen beide Podcaster*innen, sei es wichtig, darauf hinzuweisen, dass diese Propagandavorfälle Ausdruck einer alltäglichen Gefährdung queerer Menschen in Berlin sind. Dies zeigen auch die vom Register vorgestellten Vorfälle, wie beispielsweise eine lesbenfeindliche Bedrohung in Mitte oder eine transfeindliche Beleidigung in Neukölln. Antonia Bär wies darauf hin, dass einige Orte, wie der Bezirk Mitte, häufig nicht in Zusammenhang mit LGBTIQ*feindlichen Vorfällen gebracht werden, es dort aber vermehrt zu Vorfällen kommt. Wichtig zu verstehen sei: Queerfeindliche Vorfälle haben keine örtliche Einschränkung, sondern können überall passieren.

Zum Abschluss der Veranstaltung ging es um die Frage, was diesen Formen von Alltagsdiskriminierung entgegensetzen werden kann. Neben strukturellen Veränderungsvorschlägen wie der Sensibilisierung von Mitarbeitenden im Gesundheitswesen und die gezielte Auseinandersetzung mit Diskriminierung in der Ausbildung von Therapeut*innen, wurden auch Beispiele der Unterstützung und Solidarität von LGBTIQ* Menschen untereinander besprochen. Es helfe, queerfeindliche Gewalt und Propagandavorfälle nicht nur im Freund*innenkreis zu besprechen, sondern diese auch an Meldestellen weiterzuleiten, um eine öffentliche Sichtbarkeit herzustellen. Dieses Ziel verfolgen auch die Berliner Register, die im Jahr 2021 mehrere Schritte unternommen haben, um LGBTIQ*-Feindlichkeit in Berlin besser zu dokumentieren. Die Veranstaltung „Sichtbar widersprechen - Queer Talk mit Kakao“ bettete sich darin ein.

Die Berliner Register bedanken sich herzlich bei Antonia Bär und Sophie Rauscher sowie allen Gäst*innen der Veranstaltung.

 

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